Artikel - Schule


Eine Schule für individuelle Köpfe

Die dffb-Werkschau 2010

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gepostet am: 26.09.2010
gepostet von: Raimar Oestreich
Rubrik Schule

Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin lud vom 24. zum 25. September zur Schau der an ihr in den letzten Jahren entstandenen Filme ein. Es gab spannende Kurzfilme sowie Abschluss- und Debütfilme im Kino der dffb und in den beiden Arsenal-Kinos zu sehen.

Gerade der Kurzfilm gilt heute als Experimentierfeld junger Filmemacher. Doch wie experimentierfreudig und kontrovers können Werke einer Filmhochschule sein? Beinhaltet Schule nicht schon von sich aus eine von den Lehrkräften vorgegebene einheitliche Richtung?

Die dffb möchte Individualität und Kreativität fördern. Das zeigt sich deutlich in den Kurzfilmen der letzten Jahre. Der Film „Katzenleben“ verbindet beispielsweise auf ganz eigene Art und Weise Raum und Zeit. In dem Film stellt die Regisseurin Laura Lackmann Popescu raffiniert drei Lebensabschnitte von einer Frau gleichzeitig dar. Auch „Spatzen“ von Jan Speckenbach spielt mit dem Raum und dessen Kulisse, um in einer Plansequenz ein surrealistisches Bild eines Mannes zu zeigen, der sich durch die Nacht treiben lässt. „Anfänger!“ von Nicolas Wackerbarth dagegen ist ein sehr reales Porträt pubertierender Jugendlicher im Vorstadtmilieu. Trotz der trostlosen Situation der Jugend behält der Film Witz und Spannung.

Ganz anders gab es auch bedeutungsüberladene, zu tiefst dramatische Filme. Sie zeigten das Leben schwerer, als es sein kann, um über die Schwächen wie die Einfallslosigkeit im Drehbuch, die einer fehlenden Beobachtungsgabe geschuldet ist, hinweg zu täuschen.

Neben den Kurzfilmen wurden aktuelle Langfilme gezeigt. Zu empfehlen war das Dokumentarfilm-Debüt „David wants to fly“ von David Sieveking. In diesem Film folgt Sieveking seinem Idol David Lynch in die Sekte der fliegenden Yogis, um die Quelle der Kreativität zu finden. Auch ältere Absolventenfilme aus den 80er und 90er wurden im dffb-Kino, hin und wieder in Anwesenheit der Regisseure, gezeigt. Die Präsenz der ehemaligen Schüler erzeugte in dem kleinen Saal eine anregende Atmosphäre, in der es zu Gesprächen zwischen Alumni und Studierenden kam. So war beispielsweise Uli M. Schüppel, ein Vorreiter des Musikdokumentarfilms, während der Vorführung von „The Road to God Knows Where“ anwesend. Sein Abschlussfilm von 1990 über den Sänger Nick Cave und seine Band „The Bad Seeds“ ist ein eigenwilliger Schwarzweissstreifen. Ein Film der nicht nur die Kreativität und Eigenart der Protagonisten, sondern auch die Unabhängigkeit und Kompromisslosigkeit des Regisseurs und Kameramanns Schüppel zeigt. Der Film verzichtet weitestgehend auf Bühnenaufnahmen, um Cave und seine Band Backstage zu porträtieren. Diese Art zu erzählen - Schüppel nennt es, eine „psychologische Geographie“ erstellen - war damals ein Novum.

Am zweiten Abend der dffb-Werkschau wurden die besten Kurzfilme mit dem Helene-Schwarz-Preis belohnt. Moderiert wurde die Preisverleihung von Rosa von Praunheim, der Ikone des unangepassten Films. Er war selbst kein dffb-Student, da sein Aufnahmegesuch von der Hochschule abgelehnt wurde. Doch nun schon lange Freund der dffb verlas er die Statuten des Helene-Schwarz-Preises, der mit einem Preisgeld von 2.000 Euro Individualität und Kreativität der jungen Regiestudenten und Studentinnen belohnen will. Doch die Auswahl der nominierten Filmen spiegelte ganz und gar nicht diesen Leitgedanken wieder. Die sozialdramatischen Filme zeigten ohne Humor durch die Bank dialogarme „schwere Schicksale“. Der Gewinnerfilm „Jessi“ von Mariejosephin Schneider erzählt von einem elfjährigen Mädchen, dessen Mutter im Gefängnis sitzt. Auf der Flucht vor ihrer Pflegemutter, muss sie feststellen, dass auch ihre Schwester keinen Platz für sie hat. Sie ist auf sich allein gestellt. Der durchaus ästhetisch gelungene Film wird durch die Schwere der Geschichte überstrapaziert. Der monoton traurige Ausdruck des Mädchens, scheint regelrecht von der Regisseurin diktiert zu sein. Nicht anders ist der zweite Gewinner des Helene-Schwarz-Preises. Der Film „Das Wolfskind“ von Roberto Anjari-Rossi handelt von einem schwulen Stricher in Berlin, der über seine gestorbene Liebe nicht hinweg kommt und keine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen kann.

Resümieren wir also die dffb-Werkschau, so ist nicht auszulassen, dass Institutionen wie Filmhochschulen, Jurys, Auswahlkomitees und der gleichen durchaus mal Kreativität und Eigenartigkeit ausbremsen können. Insgesamt zeigen aber die Filme der Akademie viel Eigenwillen und Individualität und lassen auf interessante Filme in den Kinos für die Zukunft hoffen.

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